Meine Solo-Reise durch Vietnam

Ho Chi Minh City (Saigon), 19.06.-21.06.2016

Ab jetzt setzte ich meine Reise alleine fort. Als nächstes Ziel hatte ich mir das Land Vietnam ausgesucht und startete in der größten Stadt Ho Chi Minh City, auch unter ihrem alten Namen Saigon bekannt.

Ich werde Tobi sehr vermissen, da unsere gemeinsame Reise durch Laos und Kambodscha wirklich sehr beeindruckend war. Vor allem ohne seinen Sarkasmus und seiner mangelnden Empathie wird es nur noch halb so lustig werden. Ab jetzt musste ich mich alleine mit meinem ganzen Gepäck durchschlagen und mich zwischen Dorm-Rooms oder teuren Einzelzimmern entscheiden.

So saß ich traurig und freudig zu gleich in einen völlig überfüllten Minivan, als einzige Frau unter lauter Einheimischen. Meine Befürchtung, dass wir auf der Fahrt an jeder Haltestelle stehen bleiben und noch mehr Menschen einsammelten, hatte sich leider wieder einmal bestätigt. Ich hatte Glück, dass ich die erste in dem Minivan war und konnte mir dadurch gleich einen Einzelsitz direkt am Fenster sichern. Vor mir saß ein alter Mann mit einem großen, selbstgeschnitzten Holzstecker. Es dauerte nicht lange, bis dieser nach hinten und mir direkt am Fuß fiel. Naja bequem war etwas Anderes – aber das ist nun mal Teil des Reisens.

Während ich meinen Blog weiterschrieb, blickte ich immer wieder aus dem Fenster. Diese Landschaft faszinierte mich stets aufs Neue. Kilometerlang war teilweise kein Mensch, Haus oder Tier zu sehen. Zum Glück schien die Sonne und so konnte ich die Fahrt dennoch genießen. In diesen Momenten frage ich mich manchmal – „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ – die Antwort darauf ist aber ganz einfach. Genau diese Erfahrungen, Momente und Eindrücke gehören zum Reisen dazu. Das ist der Unterschied zwischen Reisen und Urlaub. Nach solchen Fahrten freue ich mich mehr denn je auf meine Unterkunft. Wenn diese dann manchmal auch noch ein Reinfall ist, freue ich mich umso mehr rauszugehen und die Stadt zu erkunden.

Als wir bei der Grenze ankamen, mussten wir zweimal aus dem Bus aus- und einsteigen, mit unserem Gepäck durch die Sicherheitskontrolle gehen und am Ende bekamen wir endlich unseren Ausweis zurück. Der Vorteil als Deutsche ist, dass ich für das Visa nichts bezahlen musste und die nächsten zwei Wochen durch Vietnam reisen kann.

Gegen 21 Uhr erreichten wir dann endlich Ho Chi Minh City. Ich schloss mich gleich einem Pärchen aus England an, welches zuvor ein Hotel online gebucht hatte. Da die Zimmer in dem „Hoa Xuan Hotel“ sauber und günstig waren, entschied ich mich auch gleich dort zu bleiben und musste nur 13 $ für die Nacht zahlen. Das Hotel liegt direkt im Backpacker-Viertel im ersten District und von dort aus ist alles fußläufig erreichbar.

An diesem Abend war ich viel zu müde, um die Stadt zu erkunden und freute mich darauf, am nächsten Tag durch Ho Chi Minh City schlendern zu können.

Früh startete ich meine Tour durch Saigon und als ich mich zu Fuß auf dem Weg machte, wurde ich nach ein paar Metern bereits von einem Rad-Taxi angesprochen. Nach einer kurzen Verhandlung ließ ich mich für 2 $ zum „War Remnants Museum“ fahren. Bevor ich das Museum besichtige, wollte ich noch Geld abheben, da ich in Vietnam mit Dollar und ohne Dong nicht weit kam. Beim Geldautomat kam ich mit der Frau neben mir ins Gespräch und sie brachte mich gleich zum nächsten Mobilshop, damit ich mir eine vietnamesische SIM-Karte kaufen konnte. Da ich keinen Ausweis dabeihatte, hinterlegte sie ihren für mich. Wir tauschten Kontaktdaten aus und ich bin Catherine sehr dankbar für ihre Hilfe. Auf dem Rückweg zum Museum kam uns mein Taxi-Fahrer entgegen. Ich sagte ihm, dass ich ab jetzt zu Fuß weitergehen möchte und so fing er an auf vietnamesisch Catherine zu beschimpfen. Ich verstand kein Wort und hörte nur an seiner Tonlage, dass er richtig wütend war. Catherine fing an zu weinen und ich schrie ihn an, dass er abhauen sollte. Sie erzählte mir später, wie böse er zu ihr war, weil sie ihm in seinen Augen sein Geschäft zerstört hatte. Dieses Erlebnis zeigte mir wieder einmal, dass es viele gute und leider auch einige schlechte Menschen auf dieser Welt gibt. Ich verabschiedete mich von Catherine und bin froh, dass ich ihr auf meinem Weg begegnet bin.

Der Gang durch das Museum war faszinierend und schockierend zugleich. Im Freien stehen die riesigen Panzer und Flieger aus der Zeit des Vietnam Krieges. Der Weg führt weiter in das ehemalige Gefängnis, wo die Gefangenen teilweise in Käfigen eingesperrt waren. Dieser Anblick stimmte mich traurig und ich ging weiter und schaute mir die Innenausstellung an. Die Bilder und Überreste aus der Zeit des Krieges schockierten mich sehr. Es ist furchtbar sehen zu müssen, was die unschuldigen Menschen alles erleiden mussten und wie grauenvoll diese Zeit gewesen sein musste. Jeder der in der Stadt ist sollte sich das Museum anschauen, auch wenn diese Eindrücke sehr schockierend sind.

Anschließend ging ich weiter zu dem „Reunifaction Palace“ und schaute mir die schöne Parkanlage an, bevor ich meinen Weg zur „Notre Dame Kirche“ fortsetzte. Mittags kehrte ich in das „Regina Coffee“ ein, welches einen wunderschönen Garten hat. Ich ging entlang des Boulevards runter zum Flussufer und spazierte am Mekong entlang. Als es zu regnen begann, ging ich zügig zum Banh Tao Markt. Ich kam gerade noch rechtzeitig bei der Markthalle an, bevor es aus Eimern schüttete.

Als der Regen nachgelassen hatte, suchte ich das Reisebüro „Panda Travel“ auf. Erst wollte ich meine Reise in Vietnam auf der Insel Phou Quoc starten, aber da das Tauchen dort nur bis April möglich ist, änderte ich meine Pläne. Ich suchte mir die Insel Con Dao raus, welche perfekt zum Tauchen geeignet ist. Leider ist die Anreise dorthin nicht so einfach. Von Ho Chi Minh aus kann man direkt auf Con Dao fliegen, allerdings kostet der Flug 200 $. Die Alternative ist eine dreistündige Busfahrt nach Vung Tau, von dort aus geht dann eine zwölfstündige Nachtfähre auf die Insel für 20 $. Somit war für mich klar, dass ich Con Dao erstmal nicht besuchen werde.

Mein Reiseberater James gab mir ein paar Empfehlungen und stellte mir das Open-Bus-Ticket vor. Da ich meine Flexibilität beim Reisen nicht verlieren wollte, war dies die beste und günstigste Lösung für mich. Für 40 € konnte ich mit den komfortablen Schlaf- und Reisebussen bis nach Hanoi fahren. Dazwischen konnte ich immer wieder aussteigen und musste erst am Vortag meine Weiterfahrt buchen. Ich beschloss, am nächsten Morgen mit dem Bus nach Mui Ne zu fahren.

Ho Chi Minh City sollte man einmal gesehen haben, für mich ist diese Stadt aber viel zu hektisch, stressig und laut. Der viele Verkehr machte mich wahnsinnig und es dauert ewig, bis man die Straße überqueren kann, immer mit der Angst, dass einem der nächste Rollerfahrer anfährt.

Ich war glücklich, dass es bald wieder ans Meer ging und stellte endgültig fest, dass ich kein Stadtmensch, sondern ein Wassermensch bin. So genoss ich voller Vorfreude mein Abendessen im „Rose Garden“, welches direkt in der Party-Straße Bui Vien liegt. Das Essen und der Service dort sind super und ich kann dieses Restaurant bestens weiterempfehlen. Anschließend ging ich die Partymeile entlang und kehrte noch in den beiden Rooftop-Bars ein.

Am nächsten Morgen holte mich James vom Hotel ab und half mir mit meinem Gepäck zu der nahegelegenen Bushaltestelle. Ich verabschiedete mich von ihm und stieg in den bequemen Schlafbus ein, wo ich sogar WIFI an Bord hatte. So verging die sechsstündige Weiterfahrt nach Mui Ne wie im Fluge.

 

Mui Ne, 21.06. bis 22.06.2016

Als ich nach einer endlich entspannten Anreise mittags in dem kleinen Fischerdorf Mui Ne ankam, hatte mich der Busfahrer gleich direkt bei dem im Vorfeld über „Agoda“ ausgewählten „Mui Ne Sports Hotel“ rausgelassen. Das Hotel hatte erst vor ein paar Monaten eröffnet und liegt direkt am Strand. Es ist ein Pool, ein Restaurant und eine Sportsbar vorhanden. Die Lage des Hotels ist perfekt, mitten im Zentrum umgeben von allen Restaurants. Die Zimmer sind sehr groß, modern eingerichtet und meines hatte gleich zwei Balkone. So konnte ich von dort aus den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang genießen. Mein Bad hatte sogar eine Regendusche. Die Übernachtung kostet 17 $ und ist das Geld wirklich wert. Ich kann dieses Hotel bestens für einen Aufenthalt weiterempfehlen. Das Personal ist überaus freundlich und ein Mitarbeiter hat mir gleich meinen Koffer und Rucksack in den dritten Stock getragen. Ich hatte Angst, dass er kleine vietnamesische Junge vor mir mit meinem Gepäck zusammenbricht, aber er war stärker als er aussah.

Ich ging nachmittags an dem Strand runter und machte einen langen Spaziergang. Mir begegneten nur Einheimische Fischer mit ihren Kindern. Weit und breit war kein anderer Tourist zu sehen und ich genoss die Ruhe in diesem kleinen Fischerdorf. Als ich nach einer kurzen Abkühlung im Meer am Strand lag, bin ich gleich eingeschlafen und erst wieder aufgewacht, als plötzlich ein kleiner Hund neben mir stand und mich anbellte. Scheinbar lag ich in seinem Revier, was er aber nach einer kurzen Beschnupperung dennoch akzeptierte.

Für den nächsten Tag buchte ich für 7 $ eine Jeep-Tour zu den Sanddünen, um diese bei Sonnenaufgang betrachten zu können. Direkt neben meinem Hotel war eine Food-Corner, welche aus zwölf unterschiedlichen Restaurants und Küchen bestand. Ich war begeistert und überfordert von den unterschiedlichen Gerichten und brauchte ewig, bis ich die Karte fertig studiert hatte. Kaum hatte ich mein Essen am Tisch, fing es auch schon heftig an zu regnen. Zum Glück gab es auch überdachte Plätze und so konnte ich mein Essen im Trocknen fortsetzen. Anschließend schaute ich mir das Fußballspiel Deutschland gegen Nordirland an.

Um 4 Uhr klingelte mein Wecker, da ich kurz darauf von dem Fahrer zu meiner Jeep-Tour abgeholt wurde. Leider regnete es in Strömen und so kam ich trotz Regenjacke ziemlich durchnässt bei den weißen Sanddünen an. Durch den Regen konnten wir leider gar keinen Sonnenaufgang sehen. Nachdem der Regen langsam nachgelassen hatte, marschierte ich los auf die großen Sandberge. Auf der Hälfte des Weges hielt mich ein Pärchen mit dem Quad an und ich durfte freundlicherweise mit ihnen den Berg rauffahren. Auf den Sanddünen angekommen genoss ich den wunderschönen Ausblick. Ich unterhielt mich mit den beiden namens Constanze und Jed und da die beiden ein Jahr in Australien lebten, hatten wir uns viel zu erzählen. Constanze war ebenfalls Deutsche und Jed kam aus Neuseeland und ist auch Divemaster. Gemeinsam setzen wir die Tour weiter zu den roten Sanddünen fort. Als wir dort ankamen baten uns gleich alle Plastikplatten an, damit wir die Sanddünen runterrutschen konnten. Wir fuhren weiter zu einem kleinen Fischerdorf und schauten den Einheimischen zu, wie sie Fische im Meer fingen und die schweren Wassereimer mit der Beute den Berg hinauftrugen. Es war unfassbar, wie viele Muscheln, Krabben und andere Meerestiere einfach am Boden rumlagen und dabei starben. Dieser Anblick stimmte mich traurig und ist auch einer der Gründe, weshalb ich keine Meeresfrüchte essen mag. Anschließend fuhren wir weiter zu unserem letzten Ziel, dem „fairy stream“. Wir wurden gleich darauf aufmerksam gemacht, dass wir diesen Weg nicht zu Fuß gehen sollten, da es zu stark geregnet hatte und das Wasser uns wegschwemmen würde. Stattdessen sollten wir uns lieber mit dem Jeep dort hinfahren lassen. Uns war klar, dass es hierbei nur ums Geld ging und so ging ich den fairy stream gemeinsam mit Constanze und Jed entlang. Der Weg war wirklich beeindruckend und die roten Sandberge schauten gigantisch aus. Leider wird dieses Naturschauspiel nicht ewig bestehen bleiben und im Laufe der Jahre immer mehr abrutschen. Obwohl wir den Sonnenaufgang nicht sehen konnten, war der Ausflug insgesamt wirklich sehr schön und abwechslungsreich. Ich verabschiedete mich von Constanze und Jed und freute mich auf ein Wiedersehen mit den beiden in Hoi An.

Da der Chef Mr. Cong des Hotels noch ein weiteres in Hue und Hanoi hatte, versprach ich ihm, dass wir uns sicher in Hue wiedersehen werden. Mittags fuhr ich mit dem Bus weiter nach Nha Trang. Der Aufenthalt in Mui Ne war sehr schön und die Ruhe dort tat mir richtig gut.

 

Nha Trang, 22.06. bis 23.06.2016

Nach einer fünfstündigen Busfahrt erreichte ich am frühen Abend Nha Trang. Kaum stieg ich aus dem Bus aus, rissen mir auch schon die Rollerfahrer mein Gepäck aus der Hand und wollten mich zum Hotel fahren. Da ich müde von der Fahrt war, keine Lust zum verhandeln hatte und auch keine zwei Kilometer zu Fuß laufen wollte, stieg ich für zwei Dollar auf den Roller auf. Der zweite Fahrer fuhr mit meinem Koffer voraus und ich saß auf dem anderen Roller mit meinen beiden Rucksäcken. Ich hatte wirklich Angst, ob das alles gut ging und ich sicher mit meinem ganzen Gepäck ankam. In dieser Stadt herrscht deutlich mehr Verkehr und schnell hört man um sich rum nur noch ein Hupkonzert. Die Fahrer schlängelten sich mit den Rollern zwischen den Autos durch und ich sah meinen Koffer schon auf der Straße liegen. Zum Glück waren meine Zweifel unbegründet und so erreichte ich sicher das „Azura Hotel“, welches ich mir im Vorfeld über booking.com rausgesucht hatte. Dieses Hotel ist nur durch die Hauptstraße vom Strand und der Tauchschule entfernt. Ich hatte Glück und konnte das letzte Zimmer ergattern. Da es direkt neben dem Aufzug war, handelte ich den Preis auf 15 $ die Nacht runter.

Kaum hatte ich eingecheckt, machte ich mich auch schon auf dem Weg zur Tauchschule, um meine Tauchgänge für den nächsten Tag zu buchen. Ich hatte mir den „Sailing Dive Club“ rausgesucht, da diese PADI Tauchschule sehr gut bewertet ist und direkt neben meinem Hotel liegt. Da ich als Divemaster bei den PADI Tauchschulen zehn Prozent Rabatt bekomme, kosteten mich die zwei Tauchgänge inklusive Mittagessen nur 58 $.

Anschließend ging ich am Strand entlang und bummelte durch die Straßen. Nha Trang war eine sehr belebte und touristische Stadt. Ich aß im „Burger Barbecue & Grill“, da dieses Lokal einen Livemusiker hatte. Anschließend gönnte ich mir für vier Dollar eine vietnamesische Massage. Im Gegensatz zu der Khmer Massage, wo man eine spezielle Kleidung bekommt, muss man sich hier ganz ausziehen. Die Massage ist deutlich stärker und ich konnte nicht fassen, woher das kleine Mädchen so viel Kraft hatte. Entspannt ging ich nach Hause und freute mich auf das Tauchen am nächsten Morgen.

Wir fuhren um 8 Uhr mit dem Bus zum Hafen und stiegen dann auf das Tauchboot um. Ich war begeistert von dem tollen Service an Bord. So musste ich mich um nichts kümmern und nicht mal mein Equipment selbst vorbereiten. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal tauchen war, ohne meine Ausrüstung selbst zusammenzubauen. Wir waren zu viert in einer Gruppe und unser spanischer Tauchlehrer Alex erzählte uns von den Tauchplätzen. Das schöne ist, dass das Tauchgebiet ein Marinepark ist und die Region dadurch geschützt ist.

Ich hatte zwei richtig schöne Tauchgänge und sah einige Lionfishes, Sweetlips Clownfish, Muräne, Pufferfish, Barracuda und viele kleine Nudibranches. Die Sicht war super und die Korallenriffe sind sehr gut erhalten. Nach den Tauchgängen bekamen wir Mittagessen an Bord. Diese Tauchschule kann ich wirklich weiterempfehlen und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Das Equipment ist noch sehr neu und gut erhalten, die Gruppen bestehen aus maximal vier Personen und das freundliche Personal an Bord hilft einem wo es nur geht.

Am Nachmittag relaxte ich am Strand und genoss das tolle Wetter. Die Strände in Nha Trang sind sehr schön, weißer Sand und türkisblaues Wasser. Bevor ich abends mit dem Bus weiterfuhr, ging ich noch ins „Olivia Restaurant“ direkt neben meinem Hotel zum Essen. Zum Glück bin ich dort eingekehrt, denn kurz darauf begann es heftig zu regnen und innerhalb kürzester Zeit stand die ganze Straße unter Wasser und alles war überschwemmt. So wartete ich darauf, bis der Regen ein wenig nachgelassen hatte und marschierte anschließend durch das Wasser zurück zum Hotel.

Das Personal im Azura Hotel war sehr freundlich, ich konnte mein Gepäck unterstellen und durfte mich dort duschen. Da die Straßen so überflutet waren, konnte er Bus nicht direkt vorm Hotel halten. So musste ich mein ganzes Gepäck über das Wasser tragen und kam völlig erschöpft am Bus an. Der Vorteil war, dass ich nach diesem Abend so kaputt war und auf der langen Busfahrt wenigstens schlafen konnte.

Mein Aufenthalt in Nha Trang war wirklich super und das Tauchen war ganz klar mein Highlight dort. Ich hätte nicht erwartet, dass Vietnam so schöne Korallenriffe hat. Ansonsten ist mir diese Stadt für einen längeren Aufenthalt zu touristisch, aber zum Tauchen würde ich jederzeit wieder zurückkommen.

 

Hoi An, 24.06. bis 26.o6.2016

Die Fahrt mit dem Nachtbus nach Hoi An war diesmal nicht so angenehm. Zwar hatte ich wieder einen Schlafplatz unten am Fenster, aber der Bus war diesmal so voll, dass die Vietnamesen auf Matratzen am Gang verteilt lagen. So konnte ich nicht aufstehen und bekam ein paar Mal die Käsefüße eines Vietnamesen am Körper zu spüren. Da wir weiß Gott was für Schmuggelware an Bord hatten und alles mit Kisten vollgestellt war, konnten wir nicht mal die Toilette benutzen, da diese als Gepäckraum verwendet wurde. Naja, die zwölf Stunden gingen auch wieder um und so genoss ich den schönen Sonnenaufgang, welchen ich bestens vom Fenster aus sehen konnte. Leider war der Busfahrer ein ziemlicher Idiot und so fuhr ich direkt an meiner Unterkunft vorbei und musste die drei Kilometer anschließend mit dem Taxi wieder zurückfahren.

Ich habe im Vorfeld über booking.com ein Zimmer bei einer Familie für 12 $ die Nacht inklusive Frühstück gebucht. Als ich im „Golden Leaf Homestay“ in der Früh um 7 Uhr ankam, wurde ich gleich herzlich von allen begrüßt. Die Tochter Lily brachte mir einen Eiskaffee und zeigte mir am Stadtplan, was ich alles ansehen muss. Da mein Zimmer noch nicht gereinigt war, stellte ich meine Sachen ab und fuhr mit dem Rad, welches ich mir kostenlos ausleihen durfte, in die Stadt. Gegen elf sollte ich wieder zurück sein, da ich zu einer Party im Golden Leaf eingeladen war. So radelte ich in zwei Minuten in die schöne Altstadt von Hoi An und fuhr über die japanische Brücke, am Flussufer entlang auf die andere Seite der Stadt. Im „85 Celsius Cafe“ genoss ich mein Frühstück mit Blick auf den Fluss.

Pünktlich um 11 Uhr kam ich wieder zurück und das Haus war bereits voll mit lauter Gästen. Es war ein großes Buffet mit vielen unterschiedlichen vietnamesischen Spezialitäten aufgebaut. Lily´s Mutter Le und ihr Vater Tan verwöhnten mich gleich mit Essen und Bier. So probierte ich mich quer durch das ganze Buffet und Le´s Augen leuchteten, weil es mir so gut schmeckte. Später erfuhr ich, dass sie den Todestag von Le´s Oma feierten. In Vietnam ist es üblich, an dem Todestag der engen Verwandten eine große Party daheim zu organisieren und die Familie und Freunde einzuladen. Ich war begeistert von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Vietnamesen und fühlte mich sehr wohl in der Runde.

Nach dem Essen fuhr ich mit dem Rad zum „An Bang Beach“. Auf dem Weg dorthin kam ich mit zwei Kanadiern ins Gespräch und wir verbrachten den Tag gemeinsam am Strand. Es gibt zwei Strände in Hoi An, den „An Bang“ und den „Cura Dai“. Da die Altstadt von Hoi An am Fluss liegt, sind es von dort aus ca. vier km zu den Stränden. Das Schöne an dieser Stadt ist, dass man problemlos überall mit dem Fahrrad hinkommt. Die Fahrt zum Strand ist wunderschön, kaum hat man die Stadt hinter sich gelassen, liegen nur noch die schönen Reisfelder und grünen Berge vor einem.

Abends verabredete ich mich mit meinen Freunden Constanze und Jed, welche ich in Mui Ne kennengelernt hatte, zum Essen im „Lowland“. Ich freute mich die beiden wiederzusehen und wir probierten die traditionellen Gerichte aus Hoi An und waren mit unserer Wahl sehr zufrieden. Dieses Restaurant liegt direkt am Fluss und von dort aus hatten wir einen wunderschönen Blick auf die beleuchteten Häuser, die Brücke und den Fluss, welcher durch die schwimmenden Papierschiffe in allen Farben leuchtete. Direkt gegenüber war eine Bootsbar, wo ein Vietnamese live mit der Gitarre spielte. So gingen wir gleich nach dem Essen auf das Boot und hörten dem Gitarristen beim zu. Während Constanze und ich noch eine Runde über den Nachtmarkt drehten, freundete sich Jed inzwischen mit einem Vietnamesen an, welcher mit seinem eigenen Longtailboot da war. Als Constanze und ich wieder zurückkamen, durften wir alle gemeinsam mit dem Longtailboot eine Runde am Fluss entlangfahren und konnten somit den Ausblick auf die beleuchtete Stadt noch besser genießen.

Gleich nach einem bombastischen Frühstück mit Omelett, Pancake und Eiskaffee machte ich mich mit dem Roller auf dem Weg zum Weltkulturerbe „My Son“, welches 40 km von Hoi An entfernt ist. Ohne Helm, Jacke, Turnschuhe und langer Hose braucht man hier wirklich nicht Roller fahren. Regeln und Ampeln gibt es im Straßenverkehr so gut wie keine. Der Blinker wird überbewertet, da die Hupe hier das Wichtigste ist. So war ich anfangs von dem Hupkonzert genervt und am Ende wurde die Hupe zu meinem besten Freund. Schnell gewöhnte ich mich an den Fahrstil der Vietnamesen und wusste, dass ich auch einfach hupend zufahren musste, wenn ich die Kreuzung noch am selben Tag überqueren wollte. Je weiter ich ins Landesinnere fuhr, um so verlassener und ärmer wurde die Gegend. Nach einer Stunde kam ich in „My Son“ an und schaute mir die Tempelanlagen an. Bei der größten Tempelanlage kann man sogar in die Tempel reingehen. Ich traf die beiden Holländerinnen, welche im selben Homestay wie ich wohnen. Sie haben im Gegensatz zu mir eine Bustour mit Guide gebucht und waren gelangweilt von den Erzählungen des Guides. So war ich noch glücklicher, dass ich diesen Ausflug selbst machte und nicht abhängig von einer Reisegruppe war.

Anschließend fuhr ich eine Stunde weiter Richtung Da Nang zu den „Marble Mountains“. Der Anblick von unten auf die riesigen Tempelanlagen, welche in die Berge eingebaut wurden, war schon so schön. Ich stellte meinen Roller ab und machte mich zu Fuß die Berge rauf um die Tempel von der Nähe betrachten zu können. Alle paar Meter musste ich stehen bleiben und die tollen Bauwerke bestaunen. Ich finde den Buddhismus und die Kultur der Vietnamesen sehr beeindruckend. Alles wird mit Liebe hergerichtet und ist gut erhalten. Vor jedem Tempel findet man frische Blumen und Räucherstäbchen. Je weiter ich hinaufstieg, umso schöner wurde der Ausblick auf die umliegenden Berge, die Stadt, die Tempel und den Fluss. Weit und breit war kein anderer Tourist zu sehen und so genoss ich den Ausblick bei der Ruhe noch mehr. Als ich ganz oben bei dem Aussichtsturm angekommen war, begegnete ich den ersten Touristen. Die „Marble Mountains“ mit den schönen Tempelanlagen sind wirklich beeindruckend und ich kann jedem nur empfehlen, selbst mit dem Roller dort hinzufahren. Alleine „My Son“ und die „Marble Mountains“ erkunden zu können war so viel schöner, als von einem Guide nur zu den Hauptattraktionen geführt zu werden.

Während meiner ganzen Reise wunderte ich mich, warum ich bei dem krassen Verkehr nie einen Unfall sah, obwohl ich bereits das dritte Land bereiset und so weite Strecken zurückgelegt hatte. Plötzlich war es so weit! Der Rollerfahrer vor mir übersah auf der Schnellstraße ein Schlagloch und schon lagen die beiden Männer mitten auf der Straße. Ich konnte gerade noch rechtzeitig abbremsen und stellte sofort meinen Roller am Straßenrand ab. Die Männer standen bereits auf und zum Glück hatten sie beide lange Kleidung an, so dass nur diese zerrissen war und nichts Schlimmeres passiert ist. Der Roller war leider kaputt und damit konnten die beiden nicht mehr weiterfahren. Ich sammelte die Sonnenbrille und eine Uhr von der Straße auf und fragte, ob ich ihnen noch irgendwie behilflich sein kann. Leider bekam ich keine Resonanz und so fuhr ich weiter. Nach diesem Erlebnis passte ich noch besser auf und war froh und dankbar, dass mein Schutzengel so gut auf mich aufgepasst hatte.

An diesem Tag fuhr ich 150 km mit dem Roller und kehrte auf dem Rückweg nach Hoi An in dem „9 Grains Cafe“ ein, welches für den besten Kaffee der Stadt bekannt ist. Zum ersten Mal seit meiner Abreise aus Deutschland trank ich einen richtigen Cappuccino und bekam sogar noch ein warmes Croissant dazu. Fühlte sich schon fast wie Heimat an und mein Tag war nun endgültig perfekt. Lediglich eine frische Breze hätte das noch toppen können.

Leider wurde ich auf dem letzten Kilometer von einem heftigen Regenschauer überrascht. Da ich mitten auf der Hauptstraße war, konnte ich mich auch nirgendwo unterstellen oder anhalten. So fuhr ich langsam weiter und kam klatschnass in meinem Homestay an. Le empfing mich gleich ganz freundlich und war froh, dass ich wieder heil zurück war. Sie konnte nicht glauben, dass ich nur eine Stunde mit dem Roller nach „My Son“ brauchte, sie hatte mit mindestens zwei Stunden gerechnet. Ich spielte mit Le´s Enkelin Ball und es war schön, wie gut wir miteinander kommunizieren konnten, obwohl wir nicht dieselbe Sprache sprechen.

Nach einer warmen Dusche traf ich mich mit Constanze und Jed in der Altstadt. Gemeinsam bummelten wir durch die hellbeleuchteten Gassen, über die japanische Brücke und gingen am Flussufer entlang. Wir konnten uns gar nicht sattsehen von den schönen Lampions, den tollen Souvenirs und den vielen Geschäften. Nachdem Constanze den perfekten Lampion und drei schöne Bilder für sich gefunden hatte, gingen wir ins „Lantern Restaurant“ zum Essen. Zum Glück regnete es nicht mehr und wir konnten draußen in dem schönen Garten sitzen. Das Essen dort war ein Traum und anschließend schlenderten wir gestärkt über den Nachtmarkt, auf der anderen Seite des Flusses. Hoi An bei Nacht ist wirklich traumhaft und diese Stadt hat mich bis jetzt am meisten begeistert. Die Menschen dort sind auch nicht so aufdringlich, sondern einfach nur herzlich und freundlich. Besonders schön finde ich, wie die Altstadt nachts durch die vielen Lampions leuchtet und dass diese Stadt am Fluss und am Meer liegt. Wir ließen den Abend wieder auf unserer Bootsbar ausklingen und freuten uns, dass derselbe Gitarrist wie am Vortag spielte. Ich verabschiedete mich von Constanze und Jed und freue mich auf ein baldiges Wiedersehen.

Nach einem letzten leckeren Frühstück im „Golden Leaf“ wurde ich bereits von dem Sammeltaxi Richtung Da Nang abgeholt. Der Fahrer war äußerst unfreundlich uns als wir an der Busstation ankamen und ich in den großen Bus umsteigen wollte, verweigerte er mich mitzunehmen. Er meinte ich habe ein Gepäckstück zu viel und wenn ich mitfahren will, muss ich entweder eines dalassen, oder einen Dollar bezahlen. Schnell merkte ich, dass es keinen Sinn hatte zu diskutieren, da er tatsächlich ohne mich losfahren wollte. So zahlte ich den Dollar, damit ich in Da Nang ankam. Tja – „andere Länder – andere Sitten“

Meine Zeit in Hoi An war wunderschön und diese Stadt hat mich bisher auf meiner Reise am meisten fasziniert. Hier hätte ich ewig bleiben können und so fiel mir der Abschied ziemlich schwer.

 

Da Nang, 26.06 bis 27.06.2016

Eine knappe Stunde später kam ich bereits in Da Nang an. Raffael, welchen ich auf Don Det kennengelernt hatte, stellte den Kontakt zu Trung für mich her. Trung lebt in Da Nang und freute sich riesig, mir seine Stadt zeigen zu können. Er bat mir an, dass ich bei ihm wohnen kann und er derweil bei seinem besten Freund übernachtet. Es ist unglaublich, wie herzlich er war, obwohl er mich noch nicht einmal persönlich kannte. Da ich allerdings nur eine Nacht blieb und sein Zimmer ziemlich weit außerhalb ist, habe ich mich doch für ein Hotel entschieden. So ging ich mit meinem ganzen Gepäck die Straße entlang und fand am Ende das „Night Sky Hotel“. Dort angekommen fragte ich nach dem Preis und konnte für 17 $ dort inklusive Frühstück und kostenloser Fahrradbenutzung übernachten. Das Personal war überaus freundlich und brachte mir gleich frisches Obst und Wasser. Ich bekam ein schönes Zimmer im sechsten Stock mit Blick auf den Fluss und die Stadt Da Nang.

Ich fuhr gleich mit meinem Fahrrad am Fluss entlang ins Zentrum. Die Stadt ist sehr beeindruckend und erinnerte mich an Singapur. Der Kontrast war allerdings schon sehr gr0ß, von dem schnuckeligen Hoi An in die Millionenstadt, umgeben von Hochhäusern und riesigen Brücken. Da Nang ist nach Ho Chi Minh und Hanoi die drittgrößte Stadt in Vietnam, dennoch aber nicht so touristisch und überlaufen. Auch wenn es eigentlich verboten ist, fuhr ich aufgrund des Verkehrs sicherheitshalber auf dem Bürgersteig. Ich fuhr über die „Dragon Bridge“ und machte auf der anderen Flussseite Halt bei der „Love Bridge“. Anschließend radelte ich zum Strand, da ich bereits wieder Sehnsucht nach dem Meer hatte. Der Strand von Da Nang ist sehr schön und war auch nicht so überlaufen. Einige Brautpaare ließen sich gerade fotografieren, während ich es genoss, endlich wieder das Salzwasser an meinen Füßen zu spüren. Von diesem Strand aus hat man einen schönen Ausblick auf die „Lady Buddha Statue“. Zurück fuhr ich über die „Han River Brücke“ und legte an diesem Tag über 30 km mit dem Rad zurück. Somit hatte ich die Stadt bei Tag bereits erkundet und freute mich darauf, diese auch bei Nacht zu sehen.

Das Hotelpersonal konnte nicht nicht glauben, wie „weit“ ich mit dem Fahrrad gefahren bin. Die Asiaten sind eben doch ein eher faules Folk und empfinden einen Kilometer Fußweg schon als weit. Ich habe gelernt, darauf nichts mehr zu geben und freue mich, wenn ich die Städte mit dem Rad oder zu Fuß erkunden kann.

Um 19 Uhr holte mich Trung vom Hotel ab und wir fuhren mit dem Roller auf die „Han River Brücke“. Von dort aus hatte ich einen fantastischen Ausblick auf die Stadt und vor allem auf die „Dragon Bridge“. Anschließend fuhren wir weiter auf die „Dragon Bridge“ und sicherten uns einen guten Platz, um den Drachen um 21 Uhr Feuer spucken zu sehen. Auf dem Fluss fuhren etliche Boote hellbeleuchtet und ich fand diese Stadt nachts genauso beindruckend wie tagsüber. Zwei Freunde von Trung kamen noch dazu und wir fuhren nach dem Spektakel gemeinsam zum Abendessen. Da im Zentrum alles viel teurer ist, gingen wir ein wenig außerhalb in ein Street-Food-Lokal. Leider war die Speisekarte nur auf vietnamesisch geschrieben und Trung fiel es schwer, alles für mich zu übersetzen. Ich sagte ihm, was ich gerne esse und er bestellte einfach. Ich war mit seiner Wahl sehr zufrieden und lernte von den Jungs, mit Chop-Sticks zu essen. Am Anfang stellte ich mich so doof an, dass Trung eine Gabel für mich bestellte. Da ich aber nicht so schnell aufgebe, versuchte ich es weiter und am Ende klappte das Essen mit den Chop-Sticks ganz gut. Zumindest war mein Teller leer und mein Magen voll. Trung fuhr mich mit dem Roller wieder zurück zum Hotel und dabei wurden wir von einem heftigen Regenschauer überrascht. Ich verabschiedete mich klatschnass von ihm und bedankte mich für den schönen Abend. Es gibt wirklich keinen besseren Weg ein Land kennenzulernen, als die Zeit dort mit den Einheimischen zu verbringen. Ich schaute mir am Zimmer noch das Deutschlandspiel an und freute mich über den Sieg.

Am nächsten Morgen wurde ich von dem netten Personal mit einem leckeren Frühstück verwöhnt. Es ist wirklich unglaublich, wie freundlich alle zu mir waren. Gefühlte hundert Mal musste ich als Fotomodel herhalten und alle umarmten mich zum Abschied. Da ich mit so viel Gepäck unterwegs war, fuhren sie mich kostenlos zur Busstation. Der Service im „Night Sky Hotel“ ist wirklich hervorragend, die Zimmer sind sehr schön und die Lage des Hotels ist perfekt. Ich hätte mir kein besseres Hotel für meinen Aufenthalt in Da Nang aussuchen können.

 

Hue, 27.06. bis 28.06.2016

Bereits zwei Stunden später kam ich in Hue an und diese Fahrt verging wie im Fluge. Ich lies mich mit dem Taxi zum „Hue Sports Hotel“ fahren, welches ich im Voraus bei Mr. Cong, dem Chef des Hotels gebucht hatte. Da ich bereits in Mui Ne in seinem Hotel gewohnt hatte, bekam ich das Zimmer wieder für 15 $ inklusive Frühstück. Die Lage des Hotels war perfekt, mitten im Backpackerviertel, umgeben von lauter Restaurants und nahe am Fluss.

Ich lieh mir für 6 $ einen Roller aus und fuhr die Stadt ab. Das Wetter war traumhaft und der kühle Fahrtwind tat richtig gut. So landete ich ca. 10 km weiter an einem einsamen Strand. Ich stellte meinen Roller ab und lief gleich runter ans Meer. Der Sand war weiß und das Wasser türkisblau – weit und breit waren keine Touristen zu sehen. Ich konnte mein Glück nicht fassen und genoss die Stille um mich herum. Der „Thuan An Beach“ war einer der schönsten Strände wo ich je war und ich konnte nicht glauben, dass bei diesem Wetter keine Touristen da waren.

Später setzte ich meine Tour fort und machte eine Kaffeepause in dem „Golden River Cafe“, welches direkt am Fluss lag. Auch hier war ich der einzige Gast und mein Tag hätte nicht besser verlaufen können. Anschließend schaute ich mir die Sehenswürdigkeiten Hue´s an und startete erst bei der „Citadel“, welche riesig war. Als ich die „Citadel“ abging, stürmten ständig Vietnamesen auf mich zu und wollten sich mit mir fotografieren lassen. Einige fragten mich auch gleich nach meinen Kontaktdaten und wollten unbedingt mit mir englisch sprechen. Es ist echt witzig, wie die Asiaten auf Weiße reagieren und wie glücklich sie über ein gemeinsames Foto sind. In Deutschland würde niemand auf die Idee kommen, sich mit einem Fremden fotografieren zu lassen.

Ich schaute mir noch die drei „Tombs“ Minh Mang Tomb, Khai Dinh Tomb und Tu Doc Tomb an, welche ein bisschen außerhalb von der Stadt liegen. Als es anfing zu regnen und langsam dunkel wurde, beendete ich meinen Ausflug.

Abends ging ich in das „Risotto“ zum Essen, da ich Lust auf italienisch hatte. Ich wurde gleich gelockt mit Bruschetta, Maracuja und Bier aufs Haus und kehrte dort ein. Nach einer Stunde warten war mein Essen immer noch nicht da und alle anderen Gäste waren bereits weg. Der Chefin war es furchtbar unangenehm, dass die Bedienung meine Bestellung versehentlich nicht weitergegeben hatte. So ließ sie sofort meine Gnocchi frisch zubereiten und ich musste an diesem Abend nichts bezahlen. Ich war begeistert von diesem tollen Service und versprach am nächsten Tag wiederzukommen.

Da es am Vormittag regnete, frühstückte ich ein wenig später als sonst. Als der Regen ein wenig nachgelassen hatte, ging ich durch den Park am Flussufer entlang spazieren und kehrte später im „Black and White Coffee“ am Fluss ein. Anschließend ging ich die „Walking Street“ weiter und schaute mir noch einen Tempel und eine Kirche an.

Als ich zum Mittagessen wieder im „Risotto“ auftauchte, empfing mich die Chefin gleich mit einer Umarmung. Sie konnte nicht fassen, dass ich tatsächlich wie versprochen gekommen bin. Gleich bekam ich einen frischen Maracujasaft aufs Haus. Obwohl ich eine kleine Pizza bestellt hatte, bekam ich trotzdem eine gr0ße, musste aber nur die kleine bezahlen. Als Nachspeise brachte sie mir noch eine Maracuja. Der Service in diesem Restaurant war mit Abstand der Beste, den ich je in Asien hatte. Das Essen war mega lecker und preislich auch im mittleren Bereich Ich kann dieses Restaurant bestens weiterempfehlen.

Am späten Nachmittag machte ich mich mit meinem Gepäck auf den Weg zur Busstation. Ich steuerte mein letztes Ziel Hanoi mit dem Nachtbus an und war froh, dass dies vorerst meine letzte lange Busfahrt war, bevor es endlich zu meinem besten Freund Helmut nach Hong Kong ging.

 

Hanoi, 29.06. bis 30.06.2016

Nach über einer Stunde warten saß ich endlich in dem Nachtbus nach Hanoi. Kaum wurde es finster, stiegen auch wieder die Vietnamesen zu und sicherten sich ihren Schlafplatz am Boden. Zum Glück hatte ich mir einen Platz oben gesichert und so störte mich das diesmal wenig.

Um 5.30 Uhr erreichten wir bereits Hanoi und es regnete heftig. Ich diskutierte nicht lange und fuhr mit dem Taxi für zwei Dollar in das „Dahlia Hotel“, welches ich mir über booking.com rausgesucht hatte. Das Hotel war dunkel und ich sah mich schon die nächsten Stunden draußen im Regen stehen. Das Personal hatte nur geschlafen und machte mir gleich die Türe auf. Ich bekam ein schönes Zimmer für 20 $ inklusive Frühstück und konnte das sofort beziehen.

Somit fiel ich erstmal todmüde ins Bett, bevor ich am späten Vormittag die Stadt erkundete. Da mein Hotel direkt in der Altstadt in der Nähe der „St. Josephs Kirche“ liegt, konnte ich alles zu Fuß erreichen. Ich starte meinen Weg durch die Altstadt entlang des Flusses und kehrte mittags in einem veganen Restaurant namens „Jalus“ ein. Auch wenn ich kein Veganer bin, begeistern mich die veganen Gerichte jedes Mal aufs Neue. Ein paar Tische weiter saß ein Mädchen und sie erzählte, dass sie in Hanoi lebt. So kam ich schnell mit Hanin ins Gespräch und wir stellten fest, dass wir beide aus Deutschland sind. Die Stunden vergingen und wir hatten uns total verquatscht. Es fühlte sich so an, als ob wir seelenverwandt wären, so viele Gemeinsamkeiten wie wir haben. Wir verabredeten uns zum Abendessen und ich machte mich am Nachmittag auf Sightseeing-Tour durch Hanoi.

Ich setzte meinen Fußmarsch fort zum „Woman Museum“, Gefängnis, Tempel, „Flag Tower“, „Art Museum“ und ging durch Straßen wieder zurück zur „St. Josephs Kirche“, als es langsam dunkel wurde. Auf meinem Weg wurde ich des Öfteren von Jugendlichen angesprochen, ob ich Zeit hätte um mit ihnen englisch zu sprechen. Es ist faszinierend, wie aufgeschlossen die Menschen hier sind. Hanoi ist eine schöne Stadt und obwohl es die Hauptstadt Vietnams ist, empfand ich es hier deutlich stressfreier als in Ho Chi Minh. Zwar ist der Verkehr auch extrem und das Hupkonzert nimmt auch hier kein Ende, aber ich wurde weniger angesprochen und fühlte mich deutlich sicherer.

Ich verabredete mich mit Hanin am „West-Lake“ und da wir beide die indische Küche lieben, wählten wir ein indisches Restaurant aus. Wir hatten einen tollen Ausblick auf den See und unser Essen war super lecker. Anschließend gingen wir am See entlang und kehrten in der „Sidewalk Bar“ ein. Dort traf ich einen Bekannten wieder, welcher am selben Nachtbus wie ich war. Diese Bar ist sehr einfach und dennoch äußerst kreativ eingerichtet. Gemeinsam zogen wir noch weiter in die „Rastaman Bar“ und hatten einen sehr lustigen Abend.
Dank Hanin hatte ich eine unglaublich schöne Zeit in Hanoi und ich bin froh, dass wir uns kennengelernt haben. So war meine letzte Nacht in Vietnam äußerst kurz und ich wurde bereits um 6.30 Uhr zum Flughafen gefahren.

Der letzte Monat verging wie im Fluge und mein Aufenthalt in Südostasien war sehr erlebnisreich, beeindruckend und inspirierend für mich. Ich habe viele nette Menschen und schöne Städte kennengelernt. Für mich ist klar, dass ich sicher eines Tages zurück nach Südostasien kommen werde. Von den Menschen und der Natur hat mich definitiv Laos am meisten beeindruckt. In diesem Land habe ich auch die meiste Ruhe und positive Energie verspürt. Kambodscha ist alleine schon wegen „Angkor Wat“ eine Reise wert und Vietnam fand ich von den Stränden und Städten am schönsten. So hat jedes Land seine eigene Faszination und es ist schwer, diese Länder miteinander zu vergleichen.

Ich setzte meine Reise fort nach Hong Kong und freute mich darauf, ein neues Land erkunden zu können und meinen besten Freund Helmut in seiner neuen Heimat wiederzusehen.